Ihre Quantenfeldschule

 Im Ursprung der Materiestrukturtheorie: 

Über: Dialektische Theologie und Dialektik im Marxismus

1. Dialektische Theologie

 

Quelle: Dietrich Mendt, „Fünf Minuten Kirchenkunde – kleines Lexikon für evangelische Christen“, Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Dritte, erweiterte Auflage, Berlin 1969, S. 53 bis 56 /// Farbliche Hervorhebung vom Verfasser gemacht und im Anschluss kurz kommentiert!

 

„Dialektische Theologie

Der Patenonkel der dialektischen Theologie ist schon über 2300 Jahre tot. Er hat sozusagen das Denken im Gespräch erfunden, im ‚Dialog‘, das dieselbe griechische Wurzel enthält wie ‚Dialekt‘ und ‚Dialektik‘ und soviel wie ‚reden‘, ‚ein Lehr- oder Streitgespräch führen‘ heißt. Er hieß Sokrates und führte seine Streitgespräche nicht mit seiner Frau Xantippe, wie der Laie meinen mag – da hatte er wahrscheinlich überhaupt nichts zu sagen! -, sondern mit seinen Schülern. Hegel entwickelte diese Methode zur Vollkommenheit, ‚dialektisch‘ aus Gegensätzen (Thesen und Antithesen) neue Wahrheiten zu erschließen (Synthesen), eine Art methodischen Philosophierens, die der ‚dialektische Materialismus‘ von ihm übernommen und zu einem umfassenden System ausgebaut hat. Schon der Däne Kierkegaard hat dieser Weise des Denkens Eingang in die Theologie verschafft, aber der Ausdruck ‚dialektische Theologie‘ knüpfte sich erst an eine Gruppe von Theologen, die von 1922 bis 1933 in der Zeitschrift ‚Zwischen den Zeiten‘ ihre Anschauungen der Öffentlichkeit vorlegten. Die bekanntesten unter ihnen sind Karl Barth, Friedrich Gogarten, Emil Brunner und Rudolf Bultmann. Barth hat übrigens einmal geschrieben, daß der Name ‚dialektische Theologie‘ ihnen von ‚irgendeinem Zuschauer angehängt worden‘ sei. Allerdings führen die dialektischen Thesen dieser Gruppe zu keiner Synthese. Im Gegenteil! Es liegt vor allem Barth daran, die sich ausschließenden Gegensätze im chistlichen Glauben neu in den Blick zu bekommen und ernst zu nehmen. Nicht zum erstenmal hat es die Theologie mit solchen Gegensätzen zu tun. Man braucht nur an den reformatorischen Gegensatz des ‚simul justus et peccator‘ (lat., ‚in gleicher Weise Sünder und Gerechter‘ [→Rechtfertigung]) zu denken, um zu erkennen, daß hier ein Ausgleich nicht möglich ist.

Um welche Gegensätze geht es der dialektischen Theologie? Sie versucht immer wieder das Verhältnis Gott-Mensch in den Blick zu bekommen. Es war üblich geworden, diesen Gegensatz auszugleichen durch eine weitgehende Vermenschlichung der Theologie. Das Christentum wurde von bedeutenden Theologen wesentlich als Ethik (→) betrachtet. Von anderen wieder wurden die inneren Werte des Menschen hervorgehoben. Man versuchte so, die Offenbarung (→) Gottes in Jesus Christus als eine ‚innere‘ Angelegenheit des Menschen zu verstehen, für die in seinem Wesen schon Anknüpfungspunkte gegeben sind. Die dialektische Theologie stellt die Offenbarung wieder als unableitbar heraus, sie spricht von der ‚souveränität seiner Offenbarung‘.

Die Programmschrift dieser Richtung war Gogartens Aufsatz ‚Zwischen den Zeiten‘ in der ‚Christlichen Welt‘ 1920. Das wesentlichste Werk war Barths ‚Römerbrief‘ in der zweiten Auflage von 1922 (erste Auflage 1919). Ein paar charakteristische Formulierungen aus diesem Buch: ‚Der Glaube ist unmögliche Möglichkeit.‘ Das ‚Gericht ist nicht Vernichtung, sondern Aufrichtung‘. Gott ist ‚das Nein, das Ja ist‘. Gott ist ’als das Nichtsein aller Dinge ihr wahres Sein‘.

Dazu zwei Zitate zur Beschreibung der dialektischen Theologie: Gerhard Gloege in ‚Religion in Geschichte und Gegenwart‘, 3. Auflage, Sp. 169: ‚Die Offenbarung Gottes hat #dialektische Struktur#, weil sie das seinem Wesen nacheinander Ausschließende verneint: Gott und Mensch, Ewigkeit und Zeit. Die Einheit beseitigt den Gegensatz nicht, sondern vereint das Entgegengesetzte als solches. Darum ist sie als Einheit ‚unanschaulich‘ und nur von dem Gegensatz her, den sie vereint, zu beschreiben.‘

Karl Barth in ‚Gottes Wort und die Theologie‘ 1924, S. 171: ‚Das Gott (aber wirklich Gott!) Mensch (aber wirklich Mensch!) wird, das ist … gesehen … als der lebendige Inhalt eines wirklichen Von-Gott-Redens. Wie aber soll nun die notwendige Beziehung von beiden Seiten auf diese lebendige Mitte hergestellt werden? Der echte Dialektiker weiß, daß diese unfaßlich und unanschaulich ist, er wird sich also möglichst selten zu direkten Mitteilungen darüber hinreißen lassen … So bleibt nur übrig … beides, Position und Negation, gegenseitig aufeinander zu beziehen, Ja, am Nein zu verharren, also z. B. von der Herrlichkeit Gottes in der Schöpfung nicht lange anders zu reden als … unter stärkster Hervorhebung der gänzlichen Verborgenheit, in der sich Gott in der Natur für unsere Augen befindet, vom Tod und von der Vergänglichkeit nicht lange anders als in Erinnerung an die Majestät des ganz anderen Lebens, das uns gerade im Tod entgegentritt.‘

Nachdem es schon seit dem Ende der zwanziger Jahre Spannungen zwischen den einzelnen Vertretern der dialektischen Theologie gegeben hatte, bewirkte Gogartens anfängliche Hinwendung zu den ‚deutschen Christen‘ 1933 Barths Ausscheiden aus ‚Zwischen den Zeiten‘ und damit deren Ende, das gleichzeitig das Ende der radikalen Epoche der dialektischen Theologie bezeichnet.“

 

Kommentierung

„Nicht zum erstenmal hat es die Theologie mit solchen Gegensätzen zu tun. Man braucht nur an den reformatorischen Gegensatz des ‚simul justus et peccator‘ (lat., ‚in gleicher Weise Sünder und Gerechter‘“ (a.a.O. s. 54)

Die TvW benennt die Einheit vom Widerspruch.

Sünder und Gerechter, sind zwei Seiten einer Medaille.

Es kommt auf den Standpunkt des Betrachters im Bezugssystem an. Die Relativitätstheorie der ISdM lässt grüßen!

„‚Der Glaube ist unmögliche Möglichkeit.‘ Das ‚Gericht ist nicht Vernichtung, sondern Aufrichtung‘. Gott ist ‚das Nein, das Ja ist‘. Gott ist ’als das Nichtsein aller Dinge ihr wahres Sein‘.“ (a.a.O. s. 54/55)

Gott ist der Quantenraum aller Dinge. Die Quantenraumstruktur ist das wahre Sein der Dinge, welches ist und welches aber doch nicht ist.

„Die Offenbarung Gottes hat #dialektische Struktur#, weil sie das seinem Wesen nacheinander Ausschließende verneint: Gott und Mensch, Ewigkeit und Zeit.‘ (a.a.O. s. 55)

Zeit und Ewigkeit widersprechen sich, sind nicht dasselbe! Und doch ist die Ewigkeit ein Element der Zeit.

Gott und Mensch widersprechen sich, sind nicht dasselbe. Und doch ist der Mensch ein wenig Gott!

 

2. Die Dialektik im Marxismus

In seiner „Dialektik der Natur“ gibt Engels zwei Skizzen eines Aufbaus der Dialektik:

Zitat:

„3. Dialektik als Wissenschaft des Gesamtzusammenhangs. Hauptgesetze:

Umschlagen von Qualität und Quantität – Gegenseitiges Durchdringen der polaren Gegensätze und Ineinander-Umschlagen, wenn auf die Spitze getrieben – Entwicklung durch den Widerspruch oder Negation der Negation – Spirale Form der Entwicklung.“ 4

„(Allgemeine Natur der Dialektik als Wissenschaft von den Zusammenhängen im Gegensatz zur Metaphysik zu entwickeln.)

Es ist also die Geschichte der Natur wie die der menschlichen Gesellschaft, aus der die Gesetze der Dialektik abstrahiert werden. Sie sind eben nichts andres als die allgemeinsten Gesetze dieser beiden Phasen der geschichtlichen Entwicklung, sowie des Denkens selbst. Und zwar reduzieren sie sich der Hauptsache nach auf drei:

Das Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität und umgekehrt;

Das Gesetz von der Durchdringung der Gegensätze;

Das Gesetz von der Negation der Negation.“ 5

Im „Philosophischen Nachlass“ von Lenin finden wir folgende Darstellung:

„1. Die Objektivität der Betrachtung (nicht Beispiele, nicht Abschweifungen, sondern das Ding an sich).

 2. die ganze Totalität der mannigfaltigen Beziehungen dieses Dings zu den anderen.

 3. die Entwicklung dieses Dings (resp. Der Erscheinung), seine eigene Bewegung, sein eigenes Leben.

 4. die innerlich widersprechenden Tendenzen (und Seiten) in diesem Dinge.

 5. das Ding (die Erscheinung etc.) als Summe und Einheit der Gegensätze.

 6. der Kampf resp. Die Entfaltung dieser Gegensätze, das Widersprechende der Bestrebungen etc.

 7. die Vereinigung von Analyse und Synthese, - Zerlegung der einzelnen Teile und die Gesamtheit, die Summierung dieser Teile zusammen.

 (Die Dialektik kann kurz als die Lehre von der Einheit der Gegensätze bestimmt werden. Damit wird der Kern der Dialektik erfaßt sein, aber das erfordert Erläuterungen und Entwicklung.)

 8. die Beziehungen jedes Dings (Erscheinung etc.) sind nicht nur mannigfaltig, sondern allgemein, universell. Jedes Ding (Erscheinung, Prozeß etc.) ist mit jedem verbunden.

 9. nicht nur Einheit der Gegensätze, sondern Übergänge jeder Bestimmung, jeder Qualität, jedes Zugs, jeder Seite, jeder Eigenschaft in jedes andere (in seinen Gegensatz?).

 10. unendlicher Prozeß der Erschließung neuer Seiten, Beziehungen etc.

 11. unendlicher Prozeß der Vertiefung der Erkenntnis des Dinges, der Erscheinungen, Prozesse usw. durch den Menschen, von der Erscheinung zum Wesen und vom weniger tiefen zum tiefen Wesen.

 12. von Koexistenz zur Kausalität und von der einen Form des Zusammenhangs und der wechselseitigen Abhängigkeit zu einer anderen, tieferen, allgemeineren.

 13. die Wiederholung gewisser Züge, Eigenschaften etc. des niederen Stadiums im höheren und

 14. die scheinbare Rückkehr zum Alten (Negation der Negation).

 15. der Kampf des Inhalts mit der Form und umgekehrt. Das Abwerfen der Form, die Umgestaltung des Inhalts.

 16. der Übergang der Quantität in die Qualität und vice versa.

((15 und 16 sind Beispiele von 9)).“ 6

 

4 (Engels, 1952, S. S. 1)

5 (Engels, 1952, S. S. 1 und 53)

6 (Lenin, 1949, S. S. 144-146)

 

Quelle:

Auszug aus: Über die objektive Dialektik (Klaus, 2. unveränderte Auflage 1958, S. S. 224 ff.)


 

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